Welche Ansätze verfolgen Sie hier?
Ein Beispiel findet sich im Umfeld der Universität Freiburg. Dort haben wir im Freiburger Innovationszentrum – kurz FRIZ – auf dem Campus der Technischen Fakultät verschiedene kleine Unternehmenseinheiten zusammengeführt. Expertinnen und Experten für Sensorik, Optik, Bio- und Mikrosysteme sowie das industrielle Internet der Dinge forschen da Tür an Tür. Sie befruchten sich mit innovativen Ideen und tüfteln gemeinsam an Sensorlösungen der Zukunft, etwa Sensoren, die menschliche Sinne ersetzen. Unser Kompetenzzentrum für Füllstandsund Druckmesstechnik arbeitet in einem Innovationslabor mit agilen Methoden an neuen Produktkonzepten. Und bestimmte Teams aus der Vorentwicklung, die untersuchen, wie neue Technologien zu Produkten werden können, sind ebenfalls in der Nähe von Universitäten angesiedelt.
Sind solche Entwicklerschmieden die Exoten im Unternehmen?
Sie haben schon eine besondere Rolle. Wenn Sie die Türschilder im FRIZ lesen, dann verstehen Sie womöglich gar nicht, worum es geht … (lacht) Entscheidend ist das richtige Verhältnis zwischen inkrementeller und explorativer Innovation. Wer zu frei unterwegs ist, kommt nie zu kommerzialisierbaren Anwendungen. Wer allerdings immer nur vom Bekannten her denkt, der verpasst womöglich Game Changer am Markt. Wir schaffen die gute Balance durch Open Innovation.
Was genau bedeutet Open Innovation?
Open Innovation heißt, wir öffnen uns gezielt nach außen, um gemeinsam mit anderen zu Innovationen zu kommen. Dazu zählen Kooperationen mit Kunden und Partnerunternehmen, gemeinsame Entwicklungen mit Universitäten und Forschungszentren, aber auch Start-up-Scouting oder Akquisitionen und Joint Ventures. Endress+Hauser hat beispielsweise durch gezielte Zukäufe das Geschäftsfeld der Laboranalyse erschlossen, neues Know-how in der Raman-Spektroskopie und der laserbasierten Gasanalyse aufgebaut oder die eigene Expertise in der Sensorik bis hin zu Biosensoren erweitert.
Wird Open Innovation in Zukunft noch wichtiger werden?
Ja, weil sich unsere Welt immer schneller bewegt. Wir haben mehr Grundlagen- und angewandte Forschung als je zuvor. Es gibt mehr Technologien als je zuvor. Die einzige Möglichkeit, als Unternehmen auf diese Geschwindigkeit und Komplexität zu reagieren, besteht darin, sich zu öffnen. Do it yourself reicht in dieser Welt nicht mehr aus. Wer aber seine Ideen mit anderen teilt, erhält am Ende mehr Ideen zurück.