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Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen Bewährtes weiterentwickeln und Neues voranbringen. Endress+Hauser ist bei beidem ein zuverlässiger Partner – mit Freude an innovativen Lösungen und tiefem Verständnis für Kundenbedürfnisse.

Fragen: Kirsten Wörnle
Fotografie: Andreas Mader
Dirk Neirinck

Das Neue schöpfen

Wer bleiben will, muss sich wandeln. Doch wie genau sichert Endress+Hauser seine Innovationskraft über Jahrzehnte hinweg? Ein Gespräch mit Dirk Neirinck, Corporate Director Business Development.

INNOVATION

Herr Neirinck, was ist für Sie das Geheimnis der Langlebigkeit eines Unternehmens?

Das kann ich am Beispiel von Endress+Hauser veranschaulichen: Das Unternehmen begann 1953 als Pionier auf dem Gebiet der elektronischen Sensorik und ist heute der weltweit führende Anbieter von Prozess- und Labormesstechnik, Automatisierungslösungen und Dienstleistungen. Endress+Hauser ist über sieben Jahrzehnte kontinuierlich mit attraktiven Produkten am Markt geblieben. Gleichzeitig hat das Unternehmen aus seinen Innovationen Gewinn geschöpft, den es wieder in Forschung und Entwicklung reinvestieren konnte. Das Geheimnis der Langlebigkeit liegt also in der Fähigkeit, sich immer wieder zu innovieren und neue Ideen kommerzialisierbar zu machen, um so den Kunden konstant ein wertvolles Angebot zu bieten.

 

Die Kunden von Endress+Hauser kommen aus der Prozessindustrie, einer eher langlebigen Branche …

… ja, die Prozessindustrie hat bisweilen Produktzyklen von 20 bis 30 Jahren und stellt hohe Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit. Unsere Kunden verlassen sich darauf, dass wir ihre installierte Basis pflegen und das bestehende Portfolio immer wieder an ein sich veränderndes Umfeld anpassen – Stichwort Energiewende oder Digitalisierung. Gleichzeitig müssen wir aber sicherstellen, dass wir auch Augen für das völlig Neue haben.

 

Wer übernimmt das bei Ihnen im Unternehmen?

Unsere Innovationskultur hat zwei Ausrichtungen: Einerseits schauen etwa 1.200 F&E-Mitarbeitende in den Product Centern, wie das bestehende Angebot verbessert und weiterentwickelt werden kann. Diese sogenannten inkrementellen Innovationen gehen oft auch direkt von Kunden aus, die ihre Pain Points benennen und manchmal direkt mit uns in die Co-Entwicklung gehen. Gleichzeitig wollen wir das Unbekannte für uns erschließen, indem wir Technologieradars und agile Entwicklungsmethoden nutzen. Ganz essenziell für solch explorative Innovationen sind aber auch Freiräume jenseits des Kerngeschäfts.

Dirk Neirinck (59) verantwortet seit 2016 als Corporate Director Business Development die Geschäftsentwicklung von Endress+Hauser. Der Elektroingenieur mit Schwerpunkt Chip-Design begann seine Karriere bei Endress+Hauser 2001 als Geschäftsführer für Belgien und Luxemburg. Im Jahr 2012 kam er an den Unternehmenssitz in der Schweiz, um den gruppenweiten Vertriebssupport zu leiten.

Dirk Neirinck

Welche Ansätze verfolgen Sie hier?

Ein Beispiel findet sich im Umfeld der Universität Freiburg. Dort haben wir im Freiburger Innovationszentrum – kurz FRIZ – auf dem Campus der Technischen Fakultät verschiedene kleine Unternehmenseinheiten zusammengeführt. Expertinnen und Experten für Sensorik, Optik, Bio- und Mikrosysteme sowie das industrielle Internet der Dinge forschen da Tür an Tür. Sie befruchten sich mit innovativen Ideen und tüfteln gemeinsam an Sensorlösungen der Zukunft, etwa Sensoren, die menschliche Sinne ersetzen. Unser Kompetenzzentrum für Füllstandsund Druckmesstechnik arbeitet in einem Innovationslabor mit agilen Methoden an neuen Produktkonzepten. Und bestimmte Teams aus der Vorentwicklung, die untersuchen, wie neue Technologien zu Produkten werden können, sind ebenfalls in der Nähe von Universitäten angesiedelt.

 

Sind solche Entwicklerschmieden die Exoten im Unternehmen?

Sie haben schon eine besondere Rolle. Wenn Sie die Türschilder im FRIZ lesen, dann verstehen Sie womöglich gar nicht, worum es geht … (lacht) Entscheidend ist das richtige Verhältnis zwischen inkrementeller und explorativer Innovation. Wer zu frei unterwegs ist, kommt nie zu kommerzialisierbaren Anwendungen. Wer allerdings immer nur vom Bekannten her denkt, der verpasst womöglich Game Changer am Markt. Wir schaffen die gute Balance durch Open Innovation.

 

Was genau bedeutet Open Innovation?

Open Innovation heißt, wir öffnen uns gezielt nach außen, um gemeinsam mit anderen zu Innovationen zu kommen. Dazu zählen Kooperationen mit Kunden und Partnerunternehmen, gemeinsame Entwicklungen mit Universitäten und Forschungszentren, aber auch Start-up-Scouting oder Akquisitionen und Joint Ventures. Endress+Hauser hat beispielsweise durch gezielte Zukäufe das Geschäftsfeld der Laboranalyse erschlossen, neues Know-how in der Raman-Spektroskopie und der laserbasierten Gasanalyse aufgebaut oder die eigene Expertise in der Sensorik bis hin zu Biosensoren erweitert.

 

Wird Open Innovation in Zukunft noch wichtiger werden?

Ja, weil sich unsere Welt immer schneller bewegt. Wir haben mehr Grundlagen- und angewandte Forschung als je zuvor. Es gibt mehr Technologien als je zuvor. Die einzige Möglichkeit, als Unternehmen auf diese Geschwindigkeit und Komplexität zu reagieren, besteht darin, sich zu öffnen. Do it yourself reicht in dieser Welt nicht mehr aus. Wer aber seine Ideen mit anderen teilt, erhält am Ende mehr Ideen zurück.

Innovationsstark

Endress+Hauser wurde 2022 vom Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz auf Platz 7 der „Top-innovativen Unternehmen der Schweiz“ gewählt. Es liegt damit gleich hinter einigen großen Kunden wie Roche, Novartis, Lonza und Nestlé. Eine F&E-Quote von über 7 Prozent, 8.700 Patente und Patentanmeldungen sowie über 1.200 Mitarbeitende in Forschung und Entwicklung zeugen von einer fest verankerten Innovationskultur. Mit dem alljährlichen Innovatorentreffen würdigt Endress+Hauser die Kreativität und das Engagement der Erfinderinnen und Erfinder im Unternehmen.