CO₂ kommt nur ins Glas

Mit vielen Maßnahmen hat Hofbräu München den CO2-Ausstoß pro Hektoliter Bier schon um 70 Prozent gesenkt. Noch mehr Einsparpotenzial aufdecken soll nun ein mit Hilfe von Endress+Hauser installiertes Energiemesssystem – es ist das modernste in einer Brauerei weltweit.

Text: Christine Böhringer
Grafik: 3st

Wer Münchner Hofbräu-Bier trinkt, der kann sich sicher sein: In jedem Schluck steckt nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, so will es das deutsche Reinheitsgebot. Und natürlich Kohlendioxid, das beim Gären entsteht. Im Wasser gelöst, bildet es Kohlensäure, durch die das Bier seine Frische erhält.

Außerhalb des Glases achtet Hofbräu aber darauf, so wenig CO2 wie möglich auszustoßen. „Wir haben schon 1998 mit einem systematischen Umweltmanagement begonnen, dessen Hauptziel Klimaschutz ist“, erklärt Sebastian Utz, Umweltbeauftragter und stellvertretender technischer Leiter der Brauerei.

Die Bilanz der vielen bisherigen Maßnahmen ist eindrucksvoll: In 20 Jahren konnte die Brauerei den spezifischen CO2-Ausstoß um 70 Prozent auf 5,2 Kilo pro Hektoliter Bier senken. Wichtige große Schritte waren der Wechsel auf Ökostrom und LEDs, die Umstellung eines Dampfkessels von Öl auf Gas sowie der Umbau des Sudhauses – das Kochen der Würze verbraucht dort nun weniger Energie.

Energiemengenerfassung in der Brauerei
1

Durchflussmessgeräte, Druck- und Temperatursensoren erfassen an allen Verbrauchern im Sudhaus sowie im Dampfkessel- und Wasserhaus die Dampf-, Druckluft- und Wassermengen.

2

Memograph-M-Datenmanager sammeln die Daten über 4–20-mA- oder Impulssignale ein.

3

Die Messwerte der Sensoren reichen sie dann mittels Profinet an die Steuerung weiter. Wärmemengen werden direkt berechnet und dann über Ethernet TCP/IP an eine Softwareplattform geschickt.

4

Das Industrie-Tablet Field Xpert bietet per WLAN oder Bluetooth Zugriff auf alle Endress+Hauser Geräte und damit auf die aktuellen Energieverbräuche.

„Jetzt geht es an die Detailarbeit“, sagt Sebastian Utz. „Endress+Hauser hat uns das weltweit modernste Energiemesssystem geliefert, das in einer Brauerei eingesetzt wird. Damit wollen wir bald jeden Ablauf im Sudhaus energetisch aufnehmen.“ Über 50 Sensoren sind schon installiert. Sie erfassen an allen Verbrauchern Dampf-, Druckluft- und Wassermengen. Diese werden dann über einen Datenmanager an eine Plattform weitergegeben. „Mit den gewonnenen Ergebnissen wollen wir Prozesse verfeinern und dadurch noch mehr Gas-Energie und so CO2 einsparen“, erklärt Sebastian Utz.

Ziel der Brauerei ist jedoch nicht null CO2-Ausstoß, sondern Klimaneutralität – und zwar bis 2025. „Wo wir die Emissionen nicht vermeiden oder verringern können, werden wir sie kompensieren“, sagt Sebastian Utz. Und auch dabei setzt Hofbräu auf Transparenz: Die Brauerei investiert regional in die Renaturierung von Mooren und den Aufbau von Humusböden – beides kann tausende Tonnen Kohlendioxid langfristig binden.

Tauchen Sie mit dem Newsletter von «changes» jeden Monat durch neuen spannende Geschichten in die Welt der Prozessindustrie ein!

Newsletter abonnieren