Sonnenkraft und Erdwärme

Endress+Hauser Kanada hat die Mitarbeitenden in die Planung eines neuen Firmengebäudes einbezogen. Das Ergebnis ist eine Fülle guter Ideen für eines der grünsten Bauwerke des Landes. Das neue Customer Experience Center in Burlington (Ontario) erzeugt mehr regenerative Energie als es verbraucht. Nur dem Küchenchef genügt das nicht.

Text: Laurin Paschek
Fotografie: Philip Castleton

Schneebedeckte Nadelwälder und weitläufige Winterlandschaften: Viele Menschen denken an die kalte Jahreszeit, wenn sie von Kanada hören. Tatsächlich aber ist Kanada ein Land der Extreme. Im Winter kann die Temperatur auch in den dichter besiedelten, südlichen Landesteilen an den Großen Seen auf minus 30 Grad Celsius und darunter sinken. Im Sommer hingegen herrscht dort feuchtwarmes Klima, zeitweise sind Hitzephasen mit bis zu plus 35 Grad Celsius möglich.

Viele Gebäude müssen in Kanada deswegen sowohl beheizt als auch gekühlt werden. Zum Heizen verbrennen die Kanadier vorwiegend noch fossiles Erdgas, zum Kühlen verwenden sie strombetriebene Klimaanlagen. Immerhin: Da die Wasserkraft in dem Land traditionell eine große Rolle spielt, gewinnt das zweitgrößte Land der Erde schon heute zwei Drittel seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen.

„Als wir mit unseren Mitarbeitenden und dem Management über unser neues Customer Experience Center in Burlington diskutiert haben, war schnell klar, dass wir in grüne Technologie investieren wollen. Damit sind wir zum Pionier in Kanada geworden.“

Anthony Varga

Geschäftsführer von Endress+Hauser Kanada



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DREI ZERTIFIZIERUNGEN AUF EINMAL

Die Frage einer nachhaltigen Energieversorgung stellte sich Ende 2018 auch der kanadischen Vertriebsgesellschaft von Endress+Hauser. „Als wir mit unseren Mitarbeitenden und dem Management über unser neues Customer Experience Center in Burlington diskutiert haben, war schnell klar, dass wir in grüne Technologie investieren wollen“, berichtet Anthony Varga, Geschäftsführer von Endress+Hauser Kanada. „Damit sind wir zum Pionier in Kanada geworden.“ Der Grund: Endress+Hauser strebt als erstes Privatunternehmen alle drei Zertifizierungen des Canada Green Building Council an – den Net Zero Energy und den Zero Carbon Building Standard sowie Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) in Gold.

Nach dem Startschuss erarbeitete Projektleiterin Eliza Vrbanac mit ihrem Team ein ganzheitliches Betriebskonzept für das Bürogebäude, das auch als Customer Experience Center dient. Im ersten Stock ist eine Prozessschulungseinheit (PTU) zu versorgen – mit einer Pilotanlage, in der Kunden die Applikationen von Endress+Hauser unter vielfältigen Prozessbedingungen testen können, einem Kalibrierlabor, einer Werkstatt und einen Schulungszentrum. Im zweiten Stock befinden sich flexible Arbeitsbereiche für bis zu 120 Mitarbeitende. „Oberhalb der zweiten Etage haben wir beispielsweise die Fenster nach Süden hin ausgerichtet, um viel Sonnenlicht ins Gebäude zu lassen“, berichtet Eliza Vrbanac. „Und im Atrium wächst ein vier Meter hoher Ficus-Baum, der auf ganz natürliche Weise die Luftqualität verbessert.“

Endress+Hauser Projektleiterin Eliza Vrbanac: „Wir können sogar Strom ins Netz speisen.“

Endress+Hauser Projektleiterin Eliza Vrbanac: „Wir können sogar Strom ins Netz speisen.“

In der Prozessschulungseinheit können Kunden die Messtechnik unter zahlreichen Bedingungen testen.

In der Prozessschulungseinheit können Kunden die Messtechnik unter zahlreichen Bedingungen testen.

Breit angelegte Fenster-flächen lassen möglichst viel Sonnenlicht ins Gebäude hinein.

Breit angelegte Fenster-flächen lassen möglichst viel Sonnenlicht ins Gebäude hinein.

775 SOLARPANEELE UND 24 TIEFENBRUNNEN

Kernstück des Konzepts sind zwei Komponenten: Eine Solaranlage auf dem Gebäudedach und ein geothermisches Wärmepumpensystem, das von der Solaranlage mit Strom versorgt wird. Die insgesamt 775 Solarpaneele können rechnerisch pro Jahr rund 408.000 Kilowattstunden leisten. „Dem steht ein berechneter Jahresverbrauch von durchschnittlich rund 350.000 Kilowattstunden gegenüber, unsere Erzeugung übersteigt also den Bedarf und wir können sogar Strom ins Netz speisen“, rechnet die Projektleiterin vor.

Für die geothermische Anlage holen 24 Brunnen unter dem Mitarbeiterparkplatz die Wärme aus einer Tiefe von jeweils 180 Metern. „Fast neun Kilometer Rohre haben wir dafür verlegt“, schildert Eliza Vrbanac. „In 180 Metern Tiefe herrschen an unserem Standort ganzjährig Temperaturen von 12 Grad Celsius. Mit unserem System temperieren wir dort unten mit Glykol versetztes Wasser vor und bringen es ins Gebäude, wo es als Quelle für die Wärmepumpen dient und nur noch um rund 10 Grad erwärmt werden muss.“ Der Clou: Die insgesamt 130 Wärmepumpen geben in den verschiedenen Gebäudezonen direkt 20 Grad warme Luft ab. Je nach Außentemperatur sind sie also Heizung und Klimaanlage in einem.

ERDGAS NUR NOCH FÜRS BARBECUE

„Alle Maßnahmen hatten eine Mitarbeiterbefragung zur Grundlage“, betont Anthony Varga. „Und wir konnten viele Wünsche erfüllen, von einem Fitnessraum über Duschen und Umkleideräume bis hin zu einem interreligiösen Gebetsraum.“ Die wichtigste Freizeiteinrichtung ist aber der Gasgrill auf der Dachterrasse. „Das Barbecue genießt in Kanada einen hohen Stellenwert“, erklärt der Geschäftsführer mit einem Augenzwinkern. „Und so haben wir zwar immer noch einen Erdgas-Anschluss – aber den brauchen wir nur noch zum Grillen.“

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